In der aktuellen Berichterstattung (u.a. ntv) wird eine neue „gigantische LKW-Flotte“ als Lösung für die Blockade-Gefahren an der Straße von Hormus gefeiert. Neue Landwege durch die Emirate und den Oman sollen die Abhängigkeit vom iranischen Zugriff mindern. Doch wer die nackten Zahlen betrachtet, erkennt schnell: Hier wird PR mit physikalischer Realität verwechselt.

Die mathematische Unmöglichkeit Ein Standard-Supertanker der Klasse VLCC transportiert etwa 2 Millionen Barrel Rohöl. Ein herkömmlicher Tank-LKW fasst im Schnitt 200 bis 250 Barrel.

  • Rechnung: Um die Ladung eines einzigen Schiffes zu ersetzen, müssten mindestens 8.000 LKW beladen, gefahren und entladen werden.
  • Gesamtvolumen: Da täglich rund 21 Millionen Barrel die Meerenge passieren, entspräche ein kompletter Ersatz einem Verkehrsaufkommen von über 100.000 LKW pro Tag.

Pipelines als einzige (begrenzte) Alternative Während LKW-Transporte logistischer Irrsinn sind, stellen Pipelines eine ernsthaftere, wenn auch unzureichende Ausweichroute dar. Die strategisch wichtige East-West-Pipeline in Saudi-Arabien kann bis zu 5 Millionen Barrel pro Tag zum Roten Meer pumpen. Dies fängt jedoch nur etwa 24 % des täglichen Hormus-Durchflusses ab.

Fazit für Anleger und Wirtschaft Die Ankündigung von LKW-Landbrücken dient der geopolitischen Beruhigung und der Sicherung von Kleinstmengen für die lokale Versorgung. Für den Weltmarkt und die Preisbildung bei Brent-Öl bleibt die Schifffahrt alternativlos. Eine Sperrung der Straße von Hormus kann durch keine Anzahl an Lastwagen kompensiert werden. Die Versorgungssicherheit der Weltwirtschaft hängt weiterhin an einem seidenen, maritimen Faden.


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