
Der Ursprung: Das Kollektiv „Dies Irae“
Hinter der präzise koordinierten Plakat-Aktion steckt die aktivistische Gruppe „Dies Irae“ (lateinisch für „Tag des Zorns“). Das Kollektiv formierte sich bereits im Jahr 2014 im Berliner Raum und hat dort bis heute seinen strategischen Kern.
Die Gruppe hat sich jedoch über die Jahre professionalisiert und betreibt feste logistische Außenstellen in westdeutschen Großstädten. Insbesondere in Köln verfügt die Struktur über ein aktives Netzwerk, das regelmäßig lokale Kampagnen umsetzt – wie in der Vergangenheit koordinierte Adbusting-Aktionen am Kölner Rosenmontag gegen das Erzbistum.
Die Methode: Was ist „Adbusting“?
Unter Adbusting versteht man das gezielte Kapern, Verfremden oder Überkleben von offiziellen Werbeflächen im öffentlichen Raum. Die Aktivisten nutzen dafür in der Regel spezialisierte Dreikantschlüssel, um die gläsernen Werbekästen der großen Außenwerbe-Konzerne (wie Ströer) ohne Sachbeschädigung zu öffnen.
Die kommerziellen Plakate werden dann durch eigene, visuell täuschend echte Nachbauten ersetzt. Die Intention der Akteure ist rein ideologisch getrieben: Konsumkultur, Konzerne und politische Parteien sollen mit den Mitteln der Satire, Ironie und Systemkritik auf ihren eigenen Werbeflächen attackiert werden.
Die digitale Verlängerung der Reichweite
In der realen urbanen Welt ist die Lebensdauer dieser verfremdeten Plakate extrem kurz. Die Betreiberfirmen der Werbekästen kontrollieren die Flächen engmaschig und entfernen die Fälschungen meist innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach dem Auftauchen.
Das eigentliche Ziel der Aktivisten wird daher nicht auf der Straße, sondern im Internet erreicht. Durch die fotografische Dokumentation verlagert sich die Reichweite vollständig in die digitalen Netzwerke. Dort entwickeln die Bilder – wie die aktuellen Daten aus Köln belegen – eine enorme Eigendynamik und transportieren die Botschaft weit über den physischen Standort des Plakats hinaus in den politischen Diskurs.
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